Am Tag meiner Ankunft war ich unvorsichtig. Um den modrigen Geruch zu vertreiben, oeffnete ich das Fenster, ohne vorher die kleinen, staubbedeckten Farbdosen in Sicherheit zu bringen, die der vorige Bewohner zurueckgelassen hatte. Zwei Stunden spaeter waren noch fuenf Dosen auf der Fensterbank und zwei Kreise im Staub, dort wo vorher gelb und weiss gestanden hatten. Das ist mir eine Lehre: alles was nicht niet- und nagelfest ist, wird ab sofort mindestens eine Armlaenge vom Fenster entfernt aufbewahrt.
Heute schien es mir, dass bei geoffnetem Fenster der Buergersteig vor unserem Haus zu einem besonders beliebten Treffpunkt wird. Und obwohl die meisten Fussgaenger in der Stadt es bevorzugen auf der Strasse zu gehen, anstatt auf dem immer zu schmalen Buergersteig, werden die Passanten zu disziplienierten Buergersteigbenutzern, sobald mein Fenster geoeffnet ist, auch wenn weit und breit kein Auto zu sehen ist. Gerade ist auch mein Nachbar Marco auf dem Weg zur Arbeit vorbeigeschlendert, er verkauft Unterwaesche auf dem Markt und ist meine erste lokale Bekanntschaft (abgesehen von den Arbeitskollegen und dem Baecker um die Ecke)! Liegt vielleicht daran, dass Baecker und Marco beide aus Guatemala hergezogen sind und daher etwas offener gegenueber einer grossen Fremden. Ich bin gespannt, welche Geschichten sich in den naechsten Monaten vor meinem Fenster zutragen werden!
1 Kommentar:
Hi Cathrin!
Deine letzten Bericht kamen gerade zum richtigen Zeitpunkt. Ich hatte so langsam angefangen mir Sorgen zu machen, warum man von dir so lange nichts hört. Was hast du denn in den Monaten dazwischen gemacht / spannendes erlebt?
Ich lese deine Berichte sehr gerne und freue mich schon immer auf den nächsten. So wie du schreibst, kann man sich immer alles ganz wunderbar vorstellen und es kommt mir so vor als ob ich genau neben dir sitzen / stehen würde und alles genauso miterlebe.
Ich wünsche dir weiterhin eine schöne / aufregende Zeit und viel Freude bei deiner Arbeit.
Ganz liebe Grüße
Kerstin
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