Montag, 3. November 2008

Der mit den Toten tanzt...

Todos Santos, Allerheiligen. In Guatemala ein grosser Feiertag, der dieses Jahr auf ein Wochenende fiel, 1. und 2. November. Das berauschendste Fest steigt wohl in Todos Santos, Cuchumatanes, einem kleinen Staedtchen 60km westlich von Nebaj, fast schon in Mexiko. Die Bevoelkerung spart das ganze Jahr auf das Ereignis hin. Samstags wird eifrig getrunken und Sonntags findet ein Pferderennen statt, dass bergauf, bergab durch die Gemeinde fuehrt. Aufgrund des Gelages tags zuvor, sind die meisten Reiter eher unzurechnungsfaehig, einige schlafen denn auch auf dem Ruecken der Pferde ein. So ist es nicht verwunderlich, dass viele Pferde ohne Reiter oder garnicht im Ziel ankommen und die Anzahl der Schnappsleichen stark zunimmt. Nun, seit ca. einem Jahr regiert hier eine evangelische Partei, der Konsum von Alkohol ist seitdem verboten und wer sich erwischen laesst landet fuer ein, zwei Naechte im Gefaengnis. Nur ueber Allerheiligen ist der Alkoholbann aufgehoben...
In anderen Gemeinden Guatemalas laeuft die Feier etwas ruhiger, aber ebenso feucht-froehlich ab. Den ganzen Oktober, wenn der Wind auffrischt, lassen die Kinder kleine selbstgebaute Drachen steigen, um sich auf das Fest vorzubereiten. Gedanken an den Drachenlaeufer (von Khaled Hosseini) kommen auf und die Lust, selbst mal wieder Drachen steigen zu lassen. Gegen Ende Oktober sind dann auch alle Stromleitungen mit bunten Drachen oder deren Ueberresten versehen...
Am 1. November beginnen endlich die Festivitaeten. Die Graeber werden mit Palmwedeln und Kerzen geschmueckt. Fuer verstorbene Kinder werden sogar Spielsachen aufgestellt. Musik spielt auf (meistens Marimba, ein Xylofon, das von 3 Personen gleichzeitig gespielt wird und ertraeglich ist, solange nicht einer anfaengt weinerlich dazu zu singen...), Unmengen an Essen und die schoensten Drachen werden mit auf den Friedhof genommen. Waehrend die Herren sich betrinken und die Frauen Kloenschnack halten, verwandelt sich der graue Himmel in ein buntes Feld. Gegen Nachmittag wird das Tanzbein geschwungen; wer ganz genau hinschaut, merkt allerdings, dass Maenner mit Maennern tanzen und die Koreographie mehr einem Schwanken und Torkeln aehnelt. Wenn es langsam dunkel wird, wanken die, die noch koennen, nach Hause, die uebrigen wachen im Kerzenlicht, bis die Seelen der Verstorbenen von ihren Ausfluegen zurueck kommen und die Kerzen auf ihren Graebern ausblasen.