Samstag, 16. Mai 2009

Auf der Hoehe

Heute morgen bin ich in La Paz, Bolivien angekommen. 3.800m ueber NN! Gut dass ich ohnehin aus dem Hoehenlager komme, denn auch in Nebaj war ich auf ca. 2.000m. Nun, von Nebaj habe ich mich erstmal verabschiedet. Am Samstag war ich mit meinen 5 Kollegen und ihren Familien (nur Ehefrauen und nichtmal alle Kinder aber trotzdem 30 Leute!!!) am Wasserfall Chichel. Der befindet sich ca. 1h Fahrt von Nebaj, dafuer hatten wir einen Kleinbus gemietet und alle reingequetscht, das machen die Guatemalteken ohnehin immer so. Obgleich man mit oeffentlichen Verkehrsmitteln und 2h Fussweg zum Wasserfall kommen wuerde, waren zuvor nur zwei Kollegen dort gewesen. Alle waren begeistert, kein Wunder, ist auch definitiv einer meiner Lieblingswasserfaelle!!! Zum Mittag gabs gegrillte Wiener (fuer jeden Deutschen sind die Wiener hier eine Beleidigung, aber immerhin haben sie die Form von Wuerstchen...), Nudelsalat, selbstgebackene Broetchen (habe mich nebenberuflich autodidaktisch zum Broetchenbaecker ausgebildet!) und Kuchen, ein voller Erfolg.
Am Sonntag hiess es dann Abschied nehmen, bei Pedro Mittagessen, bei Don zum nachmittaeglichen Kuchen und bei Diego zum Abendbrot. Da passte dann auch nur noch Rotwein rein, den ich mit Caro teilte. Montag bis Donnerstag war ich nochmal in Xela (die Stadt mit dem Supermarkt...) um mich von weiteren Bekannten zu verabschieden.
Mein erster Kontakt heute morgen waren zwei Deutsche Touristen, die sind im Hostel Republica abgestiegen, weil es vom Reisefuehrer waermstens empfohlen wurde. Nun sind sie aber in das Zimmer 303 gesteckt worden, obwohl doch ausdruecklich im Fuehrer stand, dass dieses Zimmer auf JEDEN FALL zu meiden ist, und nun haben sie auch garkein Auge zumachen koennen, die ganze Nacht, weil das Bett doch so klein ist... Nun, Mama sagt immer: Wer muede ist, kann auch schlafen. (Kann ich auch nur bestaetigen!) Nun, die beiden sind auch schon fortgeschrittenen Alters, so habe ich also mit der Rezeption gesprochen und ihren wohlverdienten Schlaf der naechsten Nacht gerettet!
So, nun bin ich also hier, on top of the world!!! da muss ich jetzt auch schluss machen und mir die Stadt anschauen! Heute Nachmittag kommt dann auch Anne an! Da freue ich mich schon riesig!

Dienstag, 17. März 2009

Wasser fuer Sacbochol oder Maurerdekollte und Co KG

Seit fast drei Wochen bin ich auf Montage in Sacbochol, einer kleinen Gemeinde in der Naehe von Los Encuentros, ca. 120 km nordwestlich von Guatemala Stadt. Los Encuentros ist nicht viel mehr als eine grosse Kreuzung, an der sich diverse Hotels (darunter Hotel Don Beto, wo ich gerade in Zimmer 7 sitze) und unzaehlige kleine Restaurants angesiedelt haben. In drei Himmelsrichtungen fuehren die Strassen nach Guatemala Stadt (richtung Sued-Osten), Quetzaltenango, die zweitgroesste Stadt Guatemalas (richtung Westen) und Santa Cruz del Quiche (richtung Norden). Der Atitlan-See, eine der Haupt­touristen­attraktionen Guatemalas ist nur ca. 20 km entfernt (Mehr davon in “Komm, spiel mit uns...”.)


Fuer das Wasserprojekt wurde im Januar bereits eine Quelle eingefasst. Nun sind wir dabei das Verteilungssystem zu installieren. Weil die Quelle unterhalb des Dorfes liegt, sind zwei Tanks vorgesehen, die beide 10.000 Liter fassen. Im unteren Tank wird das Quellwasser aufgefangen. Sobald der Tank gefuellt ist, wird das Wasser in den 100m hoeher liegenden Versorgungstank gepumpt. Von dort erreicht das Wasser mittels Schwerkraft die 40 neuen Haushalte, die je einen Wasserhahn erhalten, der vor dem Haus ein Waschbecken versorgt. Dort wird Waesche gewaschen, Geschirr gespuelt, Kinder gebadet, Haare gewaschen, Zaehne geputzt...


Meine Arbeitshose hat sich im laufe der letzten Wochen der Mode der 90er Jahre angepasst, daher habe ich am Mittwoch in meiner neuen Jeans gearbeitet (siehe Abenteuer PACA). Die ganze letzte Woche hatte ich schon Zement gegossen, Eisen gesaegt und gebogen, Tankwaende und Fundament verputzt. Dank meines Meisters Pedro, der mir alles geduldig beigebracht hat, bin ich vom Stift zum Gesellen aufgestiegen und meine Arbeit wird sowohl von den Kollegen als auch von den anwesenden Dorfbewohnern anerkannt. Hier ein kurzes Wort zu den freiwilligen Helfern aus Sacbochol. Jeden Tag helfen mindestens 30 Maenner. Sie tragen 50kg Saecke Zement, Sand, Steine, Eisen und Wasser den Berg hinauf, wo der Tank gebaut wird. Nach einer Woche Training schaffe ich es, mein eigenes Gewicht ohne Atempause hinaufzuschaffen... Ich habe hohen Respekt vor der Belastbarkeit der Chapines (so nennen sich die Guatemalteken).


Wie es scheint habe ich allerdings nicht nur die Arbeitstechniken schnell erlernt, sondern auch bei dem Outfit das richtige Haendchen erwiesen. Fehlt nur noch die Maurerlimo!

Sonntag, 15. März 2009

Komm, spiel mit uns…

Letztes Wochenende habe ich mir Entspannung am See erlaubt, Urlaub vom Urlaub!


Gemeinsam mit Caroline (meiner neuen, deutschen Kollegin) habe ich mich auf den Weg nach Santa Cruz La Laguna gemacht, wo Toni wohnt. Bei Toni hatten wir uns zum Abendessen eingeladen. Um die Umgebung zu erkunden und mal keine Autoabgase zu atmen, entschlossen wir, zu Fuss zu gehen. Laut Reisefuehrer – so erinnerte sich Caroline grob – gibt es einen Fussweg von Santa Cruz nach Solola, also muss es in die andere Richtung ja auch funktionieren. Und weil wir den See immer im Blick hatten, waren wir recht sicher, den rechten Weg finden zu koennen. Zunaechst stiegen wir an Zwiebelfeldern vorbei hinab ins Tal. Wir folgten einem Pfad durch den Wald und eine Kaffeeplantage und erreichten schliesslich die Haeuser am Seeufer, die wir schon aus weiter Ferne gesehen hatten. Schon beim Naeherkommen wirkte das Dorf etwas skuril. Die gepflasterten Wege boten einen starken Kontrast zu den sehr einfache Blechhuetten und die gesamte Anlage erinnerte zunaechst an einen Schrebergarten – waere nur das Gras nicht vertrocknet gewesen…

Etwas unheimlich wurde uns allerdings, als wir feststellten, dass wir im Dorf mutterseelenallein waren! Von hier wuerde wohl kein Boot nach Santa Cruz ablegen. So verliessen das Dorf zu Fuss Richtung Osten, wo wir Santa Cruz hinter der naechsten Bergkette vermuteten. Der erste Pfad endete in einen Sumpf, der zweite ebenfalls, der dritte brachte uns durch das Flussdelta, dass mit dem hohen Grass stark an afrikanische Savanne erinnerte.


Weil gerade Trockenzeit ist, fuehrte der Fluss nur wenig Wasser und reichte uns beim Durchqueren nichtmal bis zum Knie (ich war gluecklich endlich meine Treckingsandalen im Wasser auszuprobieren, dafuer hatte ich sie ja extra gekauft!!!). Als wir schliesslich das andere Ufer erreichten, sahen wir zwei Maedchen vor einem Bungalow spielen. Wir naeherten uns und die Kinder erzaehlten, dass der Bungalow einem Auslaender gehoert hatte, der nach einer Flut (vermutlich durch Stan verursacht) das Haus zurueckgelassen hat. Ich schaute gerade durch das Fenster ins Haus hinein, als ich ein Maedchen sagen hoerte: “Die Tuer ist nicht abgeschlossen, ihr koennt auch hineingehen.” Da wurde es mir zum zweiten Mal unheimlich… Ich betrat das Wohnzimmer, regelmaessig einen Blick ueber die Schulter werfend, um die Maedchen im Blick zu haben. Irgendwie erinnerte das alles zu sehr an einen schlechten Horrorfilm. In der Kueche fand ich eine Zeitschrift von 1994, aus deren Seiten wir Papierflugzeuge bastelten, ein guter Grund, das Haus zu verlassen. Mitten im Weitflugkonstest zeigten die Maedchen auf eine Frau auf dem angrenzenden Grundstueck. “Ihr muesst die Frau fragen, ob ihr das Pier benutzen duerft.” Scheinbar war das die einzige Moeglichkeit, vor Sonnenuntergang nach Santa Cruz zu gelangen. Die Frau mit ihrer Machete (Messer mit langer, meist recht scharfer Klinge, dass in Guatemala fuer allerlei Zwecke verwendet wird) sah von Anfang an etwas angsteinfloessend aus und machte uns gleich klar, dass wir fuer die Nutzung der Piers wuerden zahlen muessen. Da half auch die Mitleidstour nichts…




Zunaechst ignorierten wir die Frau, verabschiedeten und von den Maedchen und machten uns auf den Weg zum Pier. Wie der Zufall es wollte, kam auch just in dem Moment ein Boot angefahren und der Fahrer erklaerte sich bereit uns nach Santa Cruz zu bringen. Natuerlich verlief dies nicht unbeobachtet. Die Machete-Frau blickte von einer Anhoehe auf uns hinab, neben ihr aufgereiht zehn weitere Personen – wo die wohl alle so ploetzlich herkamen… Wir sassen schon im Boot, als sich das Pier mit all den Menschen fuellte und die Frau den Obulus einforderte. Mein Versuch, die Gute umzustimmen, indem ich von unserem Wasserprojekt berichtete, blieb fruchtlos und die Machete erhoben. Letztendlich zahlte der Bootsfuehrer die Nutzungsgebuehr, um sich weiteren Aerger zu ersparen und wir legten ab. Keine 10 Minuten spaeter legten wir in Santa Cruz an und verabschiedten uns von Cesar, dem Bootsfuehrer und Bruder der beiden Maedchen, die wir am Bungalow kennengelernt hatten.

Sonntag, 8. März 2009

Abenteuer PACA

Weil ich hier so hart arbeite und meine ohnehin schon alte Jeans haeufig von Hand wasche (schrubbel-schrubbel ueber das Waschbrett) ist diese an manchen Stellen schon recht duenn. Letztens ist dann das unausweichliche passiert… aufgerissene Jeans an Knien und Po! In der Mitte der 90er war das ja auch total hip! Weil es mir etwas unangenehm ist, so viel Haut zu zeigen, habe ich wenigstens die groessten Loecher geflickt, von Hand, ohne meine Naehmaschine. Das Resultat ist auf dem Photo zu bewundern. Zum Arbeiten ist das auch fein, aber fuer meine abendlichen Aktivitaeten und Wochenenden wollte ich doch gerne eine heile Hose haben.


Ich hatte ja bereits berichtet, dass die Menschen in Guatemala etwas kleiner sind als ich. Daher war es nicht weiter verwunderlich, dass ich in den Klamottenlaeden keine 34er Hosenlaenge gefunden habe – maximal 30 mit dem Kommentar, ach, wird schon lang genug sein, probier doch mal – haha!


Da half nur eins: PACA. Wo der Name genau herkommt, weiss ich nicht, aber PACA bedeutet frei uebersetzt: Laden in dem Auslaufmodelle oder Secondhandware aus den USA spottbillig zum Verkauf angeboten werden. Nun, shoppen ist ja ohnehin nicht meine Lieblingsbeschaeftigung und auf Wuehltischen nach einer Jeans in meiner Groesse suchen, klang nicht sehr erfolgsversprechend…


Ich moechte anmerken, dass ich bedenkenlos abends alleine in die sogenannten “cantinas” (Hamburgs Eckkneipen gleichen dagegen 5-Sterne-Lokalitaeten) gehe, die nur in sehr seltenen Faellen von Frauen aufgesucht werden, vor dem PACA allerdings hatte ich regelrecht ANGST! “Wat mut, dat mut.” (Alte norddeutschte Weisheit.) Zaehne zusammenbeissen und durch.


So begab ich mich also (all meinen Mut zusammen nehmend) in einen relativ organsisiert aussehenden PACA in der Naehe des Bueros (insgesamt gibt es in Nebaj mindestens 50 PACAs!!!) An einer Wand waren mehrere Jeans ordentlich aufgereit. Nach der “Anhaltprobe” kamen 4 Hosen in die engere Auswahl und somit mit auf die Toilette, zum Anprobieren. Das Resultat war erstaunlich, 3 von 4 Hosen waren absolut akzeptabel, eine mit tiefer Huefte und ausgestelltem Bein entsprach sogar exakt meinem Geschmack! Nach insgesamt 10 Minuten verliess ich um 35 Quetzales (ca. 3,50 EUR) leichter mit neuer Jeans das Geschaeft! Mission impossible erfolgreich abgeschlossen!!!

Montag, 23. Februar 2009

The Omnivore's Dilemma

Michael Pollans “Natuerliche Geschichte von vier Gerichten” rangiert zur Zeit in den Top-Ten meiner Lieblingsbuecher. Auf der Suche nach der Antwort auf die Frage: “What should we have for dinner.” fuehrt ihn seine Reise durch die US-Amerikanische Nahrungsmittelindustrie. Das erste Kapitel berichtet von den wahren Maismenschen. Seit Jahrhunderten betrachten sich Mexikaner, Guatemalteken und alle anderen Maya-Nachkommen als Menschen des Mais. Aus eigener Erfahrung kann ich den hohen Maiskonsum bestaetigen: Tortilla zum Fruehstueck, Tortilla zum Mittagessen und Tortilla zum Abendbrot (gerechterweise sollte es wohl Abendtortilla heissen…), alles wird mit Tortilla gegessen, im Zweifelsfall gibt es dann auch Tamales (im Maisblatt gekochter Maisteig) mit Tortilla. Da ist es doch verwunderlich, dass Pollan behauptet, dass heute der durchschnittliche US-Amerikaner der wahre Maismensch ist. Ist das eine weitere unbegruendete Behauptung aus dem hoeher, schneller, weiter Repertoire der Vereinigten Staaten von Amerika? Wir koennen alles besser, auch Mais? Laut Pollan nicht. Mit leicht sarkastischem Unterton beschreibt er, wie Mais seit Mitte des letzten Jahrhunderts in enger Partnerschaft mit Soya US-Boden erobert hat und durch syntetische Ertragssteigerung, industrialisierte Monokultur und staatliche Subventionen zum billigsten Kalorienlieferanten wurde. Billig allerdings nur auf den ersten Blick, ohne Beruecksichtigung der “Nebenkosten” und Kolateralschaeden, wie Ueberduengung, Kontaminierung des Grundwassers, Reduzierung der Artenvielfalt, bis hin zum erhoeten Oelkonsum, artfremder Tierhaltung und Fuetterung, die mit der vorsorglichen Gabe von Antibiotika zur Resistenz der Bakterien beitraegt, bis hin zur US-Amerikanischen Fettleibigkeit und erhoehter Rate von Herzerkrankungen. Aufgrund der hohen Konzentration des C13-Isotops in Mais (andere Kohlenhydratlieferanten wie Reis und Weizen haben eine geringere Konzentration von C13 im Verhaeltnis zu C12) ist Mais auch am Ende der Nahrungskette (ergo im Menschen) nachweisbar. Wie er dahingelangt ist weniger leicht zu ergruenden, da Mais unter vielen Namen mit verschiedensten Eigenschaften in Lebensmitteln auftritt: in grossen Mengen als Glucosesirup in Softdrinks (die in den USA schon lange nicht mehr mit Zucker gesuesst werden), aber auch als “citric and lactic acid; glucose, fructose, and maltodexstrin; ethanol (…), sorbitol, mannitol, and xanthan gum; modified and unmodified starches; as well as dextrins and cyclodextrins and MSG (…)” (MP: Omnivore’s Dilemma, S.86). Schaut doch mal auf der Packung der letzten TK-Pizza, wie viele Mais-Bestandteile drin sind…
Dazu kommt, dass beispielsweise Kuehe und Lachs, beide von Natur aus keine Maisesser in den USA heute fast ausschliesslich mit Mais gemaestet werden. Weil sie dass nicht so gut vertragen, werden die Antibiotika gleich mitgefuettert, das hilft dann auch gegen Krankheiten, die Aufgrund der Massentierhaltung um sich greifen. Gut dass die Tiere recht jung geschlachtet werden (Mais laesst sie schneller an Gewicht gewinnen), denn viel laenger wuerde der Magen eh nicht mitmachen. Zu dumm nur, dass der menschliche Koerper sich im Laufe der Evolution auf die Verdauung von Grassfressern (Kuehe) und Planktonfresser (Lachs) spezialisiert hat (um bei den beiden genannten Beispielen zu bleiben). Die beispielsweise weniger Omega-3-Fettsaeuren produzieren, wenn sie Mais anstatt Grass, respektive Plankton fressen. Gut zu wissen, dass es im Supermarkt gleich neben der Fischtheke Omega-3-Fettsaeure-Tabletten zu kaufen gibt. Denn eine Studie aus dem Jahr 2004 besagt, dass schwangere Frauen, die nahrungsergaenzend Omega-3 erhalten, Kinder mit hoerem IQ gebaehren und Kinder mit geringem Omega-3-Anteil in der Ernaehrung eher Lernschwierigkeiten aufweisen. Macht Essen dumm? Im zweiten Teil des Buches schaut sich Pollan im Bio-Sektor um. Auch hier ist das Bild nicht durchweg positiv und biologisch heisst nicht immer natuerlich. Ein positives Bild hinterlaesst allerdings die “Polyface-Farm” in Swoope, Virginia. (Claudia, das ist 4.5 Autostunden von Charlotte…), wo Tiere aus Sonnenenergie gefuettert werden, die von Gras in Proteine und Kohlenhydrate verwandelt wird. In einer faszinierenden Synergie leben Kuehe, Schweine, Hasen und Huehner zusammen und bilden einen Kreislauf in dem Abfall nicht existiert und alle Energie von der Sonne kommt. Der letzte Teil des Buches beschreibt die Urform der Nahrungsbereitung: Jagen und Sammeln… Mit dem Kapitel habe ich aber gerade erst angefangen und lese nach dem Mittagessen weiter. Guten Appetit.

Freitag, 9. Januar 2009

45 Minuten im Paradies und andere himmlische Geschenke

Zunaechst einmal: Wuensche, frohe Weihnachten gehabt zu haben und alles Liebe und Gute fuer 2009!!!
Meiner Abneigung gegen Einkaufen im Allgemeinen und insbesondere gegen Einkaufszentren und Riesensupermaerkten zum Trotz begab ich mich am Sonntag in den Hiper Pais (neben Shopping Mall zu allem Ueberfluss auch noch Walmart-Eigentum, in Xela, Quetzaltenango befindlich, ca. 6 Busstunden von Nebaj).
Mit offenem Mund, stand ich, meinen Einkaufskorb im Arm, in der Elektroabteilung (jeder, der in der viel zu langen Spanne, die sich Walmart in Deutschland halten konnte eben mal schnell Milch und Gemuese einkaufen wollte, weiss, dass man sich beim Walmart zunaechst durch Elektrogeraete, Herrenbekleidung, Damenbekleidung, Kinderbekleidung, Schreibwaren, Haushaltswaren, Kurzwaren, Reinigungsmittel und Koerperpflegemittel schlagen muss, bevor man in der Lebensmittelabteilung ankommt). Plasmabildschirme, Laptops, Waschmaschinen. Fuer Passanten muss ich ein lustiges Bild abgegeben haben, mit offenem Mund und weit aufgerissenen Augen mich langsam im Kreise drehend... Als ich mich berappelt hatte, machte ich mich auf den Weg in die Lebensmittelabteilung, konnte allerdings dem Drang nicht widerstehen, mich auf dem Weg noch schnell in der Haushaltswarenabteilung umzusehen, Schaufenstershopping... Dann, endlich, zehn endlose Reihen voll mit Lebensmitteln, ein zweites Mal innerhalb kuerzester Zeit stand ich mit offenem Mund in der Gegend rum. Reis, Basmatireis, Wildreis, Vollkornreis. Zucker, brauner Zucker, klebriger brauner Zucker, Wuerfelzucker, Puderzucker. Haferflocken, Vollkornhaferflocken, 1-Minuten-Haferflocken, 3-Minuten-Haferflocken, Granola, Muesli, Fruechte-Muesli, Schockomuesli (aus Deutschland!!!). Oel, Olivenoel, Olivenoel extra virgin, spanisches Olivenoel, italienisches Olivenoel... Und ploetzlich konnte ich mir vorstellen, wie Ostdeutsche Fluechtlinge und Uebersiedler sich beim ersten Besuch eines Westdeutschen Supermarktes gefuehlt haben muessen. Nein, nicht nur die gruenen Bananen... die eingeschraenkte Auswahl, an die man sich im ostdeutschen Heimatland gewoehnt hatte und die selbst einen westdeutschen Aldi als Wunderland erscheinen lies. Und dann... Schokolade! Hershey’s (keine 10 Pferde!!! Da halte ich lieber Diaet...), aber gleich daneben Toblerone und RitterSport. Wow! Weisse Schokolade mit Haselnuss und Krisps, Vollnussvollmilch und Knusperflakes. Gut, dass ich nur den Korb und keinen Einkaufswagen genommen habe, auch den haette ich vollpacken koennen! 45 Minuten spaeter und um eine Monatsmiete leichter (guatemaltekische Monatsmiete, beim aktuellen Kurs also ca. 25 Euro) verliess ich mit meiner Beute (brauner Zucker, dunkler Kakao, 3 Sorten RitterSport, Riesentoblerone, Olivenoel (extra virgin), Lasagneblaetter, geraeucherter Speck, Eiskaffee, Espressopulver) und einem breiten Grinsen anstelle des fassungslosen Gesichtsausdrucks das kapitalistische Wunderland. Ich konnte ja nicht wissen, dass sich kaum 24h spaeter, zurueck in Nebaj noch groessere Freude auf mich wartete... ein Weihnachtspaket mit allerlei Deutschen Koestlichkeiten, die ich selbst im Hiper Pais nicht haette finden koennen!