Sonntag, 15. März 2009

Komm, spiel mit uns…

Letztes Wochenende habe ich mir Entspannung am See erlaubt, Urlaub vom Urlaub!


Gemeinsam mit Caroline (meiner neuen, deutschen Kollegin) habe ich mich auf den Weg nach Santa Cruz La Laguna gemacht, wo Toni wohnt. Bei Toni hatten wir uns zum Abendessen eingeladen. Um die Umgebung zu erkunden und mal keine Autoabgase zu atmen, entschlossen wir, zu Fuss zu gehen. Laut Reisefuehrer – so erinnerte sich Caroline grob – gibt es einen Fussweg von Santa Cruz nach Solola, also muss es in die andere Richtung ja auch funktionieren. Und weil wir den See immer im Blick hatten, waren wir recht sicher, den rechten Weg finden zu koennen. Zunaechst stiegen wir an Zwiebelfeldern vorbei hinab ins Tal. Wir folgten einem Pfad durch den Wald und eine Kaffeeplantage und erreichten schliesslich die Haeuser am Seeufer, die wir schon aus weiter Ferne gesehen hatten. Schon beim Naeherkommen wirkte das Dorf etwas skuril. Die gepflasterten Wege boten einen starken Kontrast zu den sehr einfache Blechhuetten und die gesamte Anlage erinnerte zunaechst an einen Schrebergarten – waere nur das Gras nicht vertrocknet gewesen…

Etwas unheimlich wurde uns allerdings, als wir feststellten, dass wir im Dorf mutterseelenallein waren! Von hier wuerde wohl kein Boot nach Santa Cruz ablegen. So verliessen das Dorf zu Fuss Richtung Osten, wo wir Santa Cruz hinter der naechsten Bergkette vermuteten. Der erste Pfad endete in einen Sumpf, der zweite ebenfalls, der dritte brachte uns durch das Flussdelta, dass mit dem hohen Grass stark an afrikanische Savanne erinnerte.


Weil gerade Trockenzeit ist, fuehrte der Fluss nur wenig Wasser und reichte uns beim Durchqueren nichtmal bis zum Knie (ich war gluecklich endlich meine Treckingsandalen im Wasser auszuprobieren, dafuer hatte ich sie ja extra gekauft!!!). Als wir schliesslich das andere Ufer erreichten, sahen wir zwei Maedchen vor einem Bungalow spielen. Wir naeherten uns und die Kinder erzaehlten, dass der Bungalow einem Auslaender gehoert hatte, der nach einer Flut (vermutlich durch Stan verursacht) das Haus zurueckgelassen hat. Ich schaute gerade durch das Fenster ins Haus hinein, als ich ein Maedchen sagen hoerte: “Die Tuer ist nicht abgeschlossen, ihr koennt auch hineingehen.” Da wurde es mir zum zweiten Mal unheimlich… Ich betrat das Wohnzimmer, regelmaessig einen Blick ueber die Schulter werfend, um die Maedchen im Blick zu haben. Irgendwie erinnerte das alles zu sehr an einen schlechten Horrorfilm. In der Kueche fand ich eine Zeitschrift von 1994, aus deren Seiten wir Papierflugzeuge bastelten, ein guter Grund, das Haus zu verlassen. Mitten im Weitflugkonstest zeigten die Maedchen auf eine Frau auf dem angrenzenden Grundstueck. “Ihr muesst die Frau fragen, ob ihr das Pier benutzen duerft.” Scheinbar war das die einzige Moeglichkeit, vor Sonnenuntergang nach Santa Cruz zu gelangen. Die Frau mit ihrer Machete (Messer mit langer, meist recht scharfer Klinge, dass in Guatemala fuer allerlei Zwecke verwendet wird) sah von Anfang an etwas angsteinfloessend aus und machte uns gleich klar, dass wir fuer die Nutzung der Piers wuerden zahlen muessen. Da half auch die Mitleidstour nichts…




Zunaechst ignorierten wir die Frau, verabschiedeten und von den Maedchen und machten uns auf den Weg zum Pier. Wie der Zufall es wollte, kam auch just in dem Moment ein Boot angefahren und der Fahrer erklaerte sich bereit uns nach Santa Cruz zu bringen. Natuerlich verlief dies nicht unbeobachtet. Die Machete-Frau blickte von einer Anhoehe auf uns hinab, neben ihr aufgereiht zehn weitere Personen – wo die wohl alle so ploetzlich herkamen… Wir sassen schon im Boot, als sich das Pier mit all den Menschen fuellte und die Frau den Obulus einforderte. Mein Versuch, die Gute umzustimmen, indem ich von unserem Wasserprojekt berichtete, blieb fruchtlos und die Machete erhoben. Letztendlich zahlte der Bootsfuehrer die Nutzungsgebuehr, um sich weiteren Aerger zu ersparen und wir legten ab. Keine 10 Minuten spaeter legten wir in Santa Cruz an und verabschiedten uns von Cesar, dem Bootsfuehrer und Bruder der beiden Maedchen, die wir am Bungalow kennengelernt hatten.

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