Dienstag, 17. März 2009

Wasser fuer Sacbochol oder Maurerdekollte und Co KG

Seit fast drei Wochen bin ich auf Montage in Sacbochol, einer kleinen Gemeinde in der Naehe von Los Encuentros, ca. 120 km nordwestlich von Guatemala Stadt. Los Encuentros ist nicht viel mehr als eine grosse Kreuzung, an der sich diverse Hotels (darunter Hotel Don Beto, wo ich gerade in Zimmer 7 sitze) und unzaehlige kleine Restaurants angesiedelt haben. In drei Himmelsrichtungen fuehren die Strassen nach Guatemala Stadt (richtung Sued-Osten), Quetzaltenango, die zweitgroesste Stadt Guatemalas (richtung Westen) und Santa Cruz del Quiche (richtung Norden). Der Atitlan-See, eine der Haupt­touristen­attraktionen Guatemalas ist nur ca. 20 km entfernt (Mehr davon in “Komm, spiel mit uns...”.)


Fuer das Wasserprojekt wurde im Januar bereits eine Quelle eingefasst. Nun sind wir dabei das Verteilungssystem zu installieren. Weil die Quelle unterhalb des Dorfes liegt, sind zwei Tanks vorgesehen, die beide 10.000 Liter fassen. Im unteren Tank wird das Quellwasser aufgefangen. Sobald der Tank gefuellt ist, wird das Wasser in den 100m hoeher liegenden Versorgungstank gepumpt. Von dort erreicht das Wasser mittels Schwerkraft die 40 neuen Haushalte, die je einen Wasserhahn erhalten, der vor dem Haus ein Waschbecken versorgt. Dort wird Waesche gewaschen, Geschirr gespuelt, Kinder gebadet, Haare gewaschen, Zaehne geputzt...


Meine Arbeitshose hat sich im laufe der letzten Wochen der Mode der 90er Jahre angepasst, daher habe ich am Mittwoch in meiner neuen Jeans gearbeitet (siehe Abenteuer PACA). Die ganze letzte Woche hatte ich schon Zement gegossen, Eisen gesaegt und gebogen, Tankwaende und Fundament verputzt. Dank meines Meisters Pedro, der mir alles geduldig beigebracht hat, bin ich vom Stift zum Gesellen aufgestiegen und meine Arbeit wird sowohl von den Kollegen als auch von den anwesenden Dorfbewohnern anerkannt. Hier ein kurzes Wort zu den freiwilligen Helfern aus Sacbochol. Jeden Tag helfen mindestens 30 Maenner. Sie tragen 50kg Saecke Zement, Sand, Steine, Eisen und Wasser den Berg hinauf, wo der Tank gebaut wird. Nach einer Woche Training schaffe ich es, mein eigenes Gewicht ohne Atempause hinaufzuschaffen... Ich habe hohen Respekt vor der Belastbarkeit der Chapines (so nennen sich die Guatemalteken).


Wie es scheint habe ich allerdings nicht nur die Arbeitstechniken schnell erlernt, sondern auch bei dem Outfit das richtige Haendchen erwiesen. Fehlt nur noch die Maurerlimo!

Sonntag, 15. März 2009

Komm, spiel mit uns…

Letztes Wochenende habe ich mir Entspannung am See erlaubt, Urlaub vom Urlaub!


Gemeinsam mit Caroline (meiner neuen, deutschen Kollegin) habe ich mich auf den Weg nach Santa Cruz La Laguna gemacht, wo Toni wohnt. Bei Toni hatten wir uns zum Abendessen eingeladen. Um die Umgebung zu erkunden und mal keine Autoabgase zu atmen, entschlossen wir, zu Fuss zu gehen. Laut Reisefuehrer – so erinnerte sich Caroline grob – gibt es einen Fussweg von Santa Cruz nach Solola, also muss es in die andere Richtung ja auch funktionieren. Und weil wir den See immer im Blick hatten, waren wir recht sicher, den rechten Weg finden zu koennen. Zunaechst stiegen wir an Zwiebelfeldern vorbei hinab ins Tal. Wir folgten einem Pfad durch den Wald und eine Kaffeeplantage und erreichten schliesslich die Haeuser am Seeufer, die wir schon aus weiter Ferne gesehen hatten. Schon beim Naeherkommen wirkte das Dorf etwas skuril. Die gepflasterten Wege boten einen starken Kontrast zu den sehr einfache Blechhuetten und die gesamte Anlage erinnerte zunaechst an einen Schrebergarten – waere nur das Gras nicht vertrocknet gewesen…

Etwas unheimlich wurde uns allerdings, als wir feststellten, dass wir im Dorf mutterseelenallein waren! Von hier wuerde wohl kein Boot nach Santa Cruz ablegen. So verliessen das Dorf zu Fuss Richtung Osten, wo wir Santa Cruz hinter der naechsten Bergkette vermuteten. Der erste Pfad endete in einen Sumpf, der zweite ebenfalls, der dritte brachte uns durch das Flussdelta, dass mit dem hohen Grass stark an afrikanische Savanne erinnerte.


Weil gerade Trockenzeit ist, fuehrte der Fluss nur wenig Wasser und reichte uns beim Durchqueren nichtmal bis zum Knie (ich war gluecklich endlich meine Treckingsandalen im Wasser auszuprobieren, dafuer hatte ich sie ja extra gekauft!!!). Als wir schliesslich das andere Ufer erreichten, sahen wir zwei Maedchen vor einem Bungalow spielen. Wir naeherten uns und die Kinder erzaehlten, dass der Bungalow einem Auslaender gehoert hatte, der nach einer Flut (vermutlich durch Stan verursacht) das Haus zurueckgelassen hat. Ich schaute gerade durch das Fenster ins Haus hinein, als ich ein Maedchen sagen hoerte: “Die Tuer ist nicht abgeschlossen, ihr koennt auch hineingehen.” Da wurde es mir zum zweiten Mal unheimlich… Ich betrat das Wohnzimmer, regelmaessig einen Blick ueber die Schulter werfend, um die Maedchen im Blick zu haben. Irgendwie erinnerte das alles zu sehr an einen schlechten Horrorfilm. In der Kueche fand ich eine Zeitschrift von 1994, aus deren Seiten wir Papierflugzeuge bastelten, ein guter Grund, das Haus zu verlassen. Mitten im Weitflugkonstest zeigten die Maedchen auf eine Frau auf dem angrenzenden Grundstueck. “Ihr muesst die Frau fragen, ob ihr das Pier benutzen duerft.” Scheinbar war das die einzige Moeglichkeit, vor Sonnenuntergang nach Santa Cruz zu gelangen. Die Frau mit ihrer Machete (Messer mit langer, meist recht scharfer Klinge, dass in Guatemala fuer allerlei Zwecke verwendet wird) sah von Anfang an etwas angsteinfloessend aus und machte uns gleich klar, dass wir fuer die Nutzung der Piers wuerden zahlen muessen. Da half auch die Mitleidstour nichts…




Zunaechst ignorierten wir die Frau, verabschiedeten und von den Maedchen und machten uns auf den Weg zum Pier. Wie der Zufall es wollte, kam auch just in dem Moment ein Boot angefahren und der Fahrer erklaerte sich bereit uns nach Santa Cruz zu bringen. Natuerlich verlief dies nicht unbeobachtet. Die Machete-Frau blickte von einer Anhoehe auf uns hinab, neben ihr aufgereiht zehn weitere Personen – wo die wohl alle so ploetzlich herkamen… Wir sassen schon im Boot, als sich das Pier mit all den Menschen fuellte und die Frau den Obulus einforderte. Mein Versuch, die Gute umzustimmen, indem ich von unserem Wasserprojekt berichtete, blieb fruchtlos und die Machete erhoben. Letztendlich zahlte der Bootsfuehrer die Nutzungsgebuehr, um sich weiteren Aerger zu ersparen und wir legten ab. Keine 10 Minuten spaeter legten wir in Santa Cruz an und verabschiedten uns von Cesar, dem Bootsfuehrer und Bruder der beiden Maedchen, die wir am Bungalow kennengelernt hatten.

Sonntag, 8. März 2009

Abenteuer PACA

Weil ich hier so hart arbeite und meine ohnehin schon alte Jeans haeufig von Hand wasche (schrubbel-schrubbel ueber das Waschbrett) ist diese an manchen Stellen schon recht duenn. Letztens ist dann das unausweichliche passiert… aufgerissene Jeans an Knien und Po! In der Mitte der 90er war das ja auch total hip! Weil es mir etwas unangenehm ist, so viel Haut zu zeigen, habe ich wenigstens die groessten Loecher geflickt, von Hand, ohne meine Naehmaschine. Das Resultat ist auf dem Photo zu bewundern. Zum Arbeiten ist das auch fein, aber fuer meine abendlichen Aktivitaeten und Wochenenden wollte ich doch gerne eine heile Hose haben.


Ich hatte ja bereits berichtet, dass die Menschen in Guatemala etwas kleiner sind als ich. Daher war es nicht weiter verwunderlich, dass ich in den Klamottenlaeden keine 34er Hosenlaenge gefunden habe – maximal 30 mit dem Kommentar, ach, wird schon lang genug sein, probier doch mal – haha!


Da half nur eins: PACA. Wo der Name genau herkommt, weiss ich nicht, aber PACA bedeutet frei uebersetzt: Laden in dem Auslaufmodelle oder Secondhandware aus den USA spottbillig zum Verkauf angeboten werden. Nun, shoppen ist ja ohnehin nicht meine Lieblingsbeschaeftigung und auf Wuehltischen nach einer Jeans in meiner Groesse suchen, klang nicht sehr erfolgsversprechend…


Ich moechte anmerken, dass ich bedenkenlos abends alleine in die sogenannten “cantinas” (Hamburgs Eckkneipen gleichen dagegen 5-Sterne-Lokalitaeten) gehe, die nur in sehr seltenen Faellen von Frauen aufgesucht werden, vor dem PACA allerdings hatte ich regelrecht ANGST! “Wat mut, dat mut.” (Alte norddeutschte Weisheit.) Zaehne zusammenbeissen und durch.


So begab ich mich also (all meinen Mut zusammen nehmend) in einen relativ organsisiert aussehenden PACA in der Naehe des Bueros (insgesamt gibt es in Nebaj mindestens 50 PACAs!!!) An einer Wand waren mehrere Jeans ordentlich aufgereit. Nach der “Anhaltprobe” kamen 4 Hosen in die engere Auswahl und somit mit auf die Toilette, zum Anprobieren. Das Resultat war erstaunlich, 3 von 4 Hosen waren absolut akzeptabel, eine mit tiefer Huefte und ausgestelltem Bein entsprach sogar exakt meinem Geschmack! Nach insgesamt 10 Minuten verliess ich um 35 Quetzales (ca. 3,50 EUR) leichter mit neuer Jeans das Geschaeft! Mission impossible erfolgreich abgeschlossen!!!