Freitag, 1. Oktober 2010

Sonntag ist Bürgermeisterwahl!

Um 0:00 Uhr hat die "ley seca" begonnen. Die Trockenphase vor den Wahlen. Alle Peruaner MÜSSEN wählen gehen, bei Mißachtung des Wahlgebots droht eine Geldstrafe von etwa 30 EUR. Die "ley seca" soll dafür sorgen, dass die Bürger nüchtern in den Wahllokalen erscheinen. Seit Freitagmitternacht dürfen keine alkoholhaltigen Getränke mehr ausgeschenkt werden, Diskotheken wurden geschlossen und Freitag- und Samstagnacht machen sie erst garnicht auf.

Auch wenn nicht alkoholisiert, ist der peruanische Wähler scheinbar eher unberechenbar. Als Alan Garcia beispielsweise 1985 das erste Mal zum Präsidenten gewählt wurde, unter anderem deshalb, weil er "chulo" (span.: schick, flott, hübsch) ist - oder war... Heute wiegt er einige Kilo mehr und jünger ist er auch nicht geworden dennoch wurde er 2006 erneut gewählt... Aber um die Präsidentschaftswahlen geht es gerade nicht, die stehen erst nächstes Jahr an - also zurück zum Thema:

Letzte Woche habe ich 6 der Bürgermeisterkandidaten für Lima live erlebt! Auf einem Forum zum Thema Wasser- und Sanitärversorgung hatten sie jeweils 15 Minuten Redezeit. Da ich den Ausschwefungen nicht komplett folgen konnte, beschränkte ich mich darauf augenscheinliche Aspekte zu bewerten:

1) Ein Populist, der sich unter dem Deckmäntelchen des wissenschaftlichen Umweltschützer und NGO-Gründers versteckte wirkte wie ein evanglikaler Prediger. Die Stimme ebenso erhoben, wie den Zeigefinger.

2) Nummer Zwei erinnerte eher an Stoiber, eher graue Maus, etwas langsamer in der Ausführung und leiser in der Sprache, dafür auch eher einschläfernd mit vielen Ähms und Alsos.

Dann helle Aufruhr, die Spitzenkandidatinnen erscheinen, die Pressevertreter bieten sich erbitterte Kämpfe um die erste Reihe.

3) Susana Villarán spricht ruhig, dennoch wohl intoniert, wirkt konsquent und kompetent. Ich verstehe sogar etwas. Statt wie ihre Vorredner noch schnell die letzte Minute zu füllen, gibt sie einen abschließenden Satz und zieht sich unaufgefordert vom Mirkofon zurück.

4) Der nächste Kandidat wetterte darüber, dass allein die Spitzenkandidatinnen Zugang zzu Sendezeiten haben und sah darin einen Angriff auf die Demokratie. Recht, oder Unrecht? Egal wie: am Thema vorbei - sechs, setzen!

5) Dann Lourdes Flores, ähnlich gefasst und selbstbewusst, wie Villarán, mir schien sie jedoch weniger sympatisch und souverän.

6) Abschließend einer, der sagte, er habe nichts mehr zu sagen, es sei schon alles gesagt und dann trotzdem die 15 Minuten überzog. Ein wahrer Politiker!

Das also sind die aussichtsreichsten Kandidaten, fast alle mit neuen Parteien. Unter anderem wohl, weil die Parteien nicht etabliert, sonder häufig unbekannt sind, aber auch um denen, die nicht lesen können, die Auswahl zu erleichtern, wird es auf den Wahlkarten Motive neben den Kandidatennamen geben. Vielleicht ist genau das am Ende entscheidend, weil mehr Leute die Flores Landkarte wiedererkennen, als Villaráns limettengrünes FS. Vielleicht finden sie aber auch einfach den Kochtopf "chulo".