Samstag, 25. September 2010

Musikgeschmack hin oder her...

Wer mich kennt, weiß, dass mein Musikgeschmack nicht besonders ausgefeilt ist. Auf die Standardfrage: „Was magst Du denn so für Musik?“ Gibt es von mir schon seit vielen Jahren die Standardantwort: „Alles außer Techno und Volksmusik.“ (Unter Techno subsummiere ich da großzügig alles, was mit starkem Mnzh-mnzh unterlegt ist.) Wer weiter nachhakt, erfährt, dass ich am liebsten Rock höre, wenn es allerdings ums Tanzen geht Salsa bevorzuge. Wem das immer noch nicht reicht…: „Mein Lieblingsmusiker heißt Ben Harper, Leonhard Cohen höre ich auch unheimlich gerne und früher war ich Bon-Jovi-Fan, wenn ich mir die Lieder heute anhöre, weiß ich selbst nicht mehr so genau warum eigentlich.“ Nur in ausgewählten Fällen erzähle ich, dass ich mangels anderer Optionen (Metallica war bereits vom großen Bruder und Bryan Adams von der großen Schwester besetzt) kurzzeitig den Take-That-Fan gemimt habe (Poster im Zimmer aufgehängt, Namen auswendig gelernt…), kaum eine Woche später durfte ich dann doch Metallica und Bryan Adams hören! Sobald es allerdings um musikalische Feinheiten und Nischen geht, muss ich meistens mangels besonderer Kenntnisse leider aus der Unterhaltung aussteigen.

Nach einer anstrengenden Arbeitswoche haben mich meine Mitbewohner heute mit Pisco Sour hinter dem sprichwörtlichen Ofen hervorgelockt. Nach zwei gut gefüllten Gläsern folgte ich den beiden in die Disko. Statt Salsa wurde jedoch leider Techno gespielt…

Weil ich weder tanzen noch trinken wollte, ging ich also einer allgemein verbreiteten Lieblingsbeschäftigung nach: Leute beobachten! Davon gab’s genug. Viele auf der Tanzfläche, einige an der Bar stehen, andere hin- und herlaufend, wie in jeder anderen Disko auch. Ein Kellner ist mir besonders aufgefallen. Er trug ein schwarzes „Led Zeppelin“ T-Shirt und sofort fragte ich mich, ob er ebenso unter der Musik litt wie ich und das womöglich jedes Wochenende, immer wieder? Oder, dachte ich, ist er gar kein „Led Zeppelin“ Fan und trägt das Shirt nur, weil es cool ist, so ähnlich wie man eben „Che Guevara“-Shirts trägt, weil El Che doch cool ist und so ein markant-schönes Gesicht hat, das sich auf T-Shirts einfach gut macht (Led Zeppelin und Che Guevara als commodities…). Statt ihn zu fragen, gingen meine Gedanken auf Reisen, zurück nach Guatemala. Plötzlich hatte ich ihn wieder vor Augen, den kleinen Jungen, vielleicht 7 Jahre alt, in einem kleinen Dorf im guatemaltekischen Hochland. Ich war gerade in seiner Schule, um eine Bestandsaufnahme der sanitären Einrichtungen zu machen, als mir sein „Iron Maiden“-Shirt auffiel. Luftgitarre spielend und headbangend stand ich vor ihm „dännng-dännng-däng-däng-dääääng“. Und große, beinahe erschreckte Augen blickten mich an, während Caro von Lachkrämpfen geschüttelt zuschaute. Mangels Storm und CD-Player hatte der Junge wohl noch nie „Iron Maiden“ gehört und wusste wahrscheinlich nicht einmal, dass er das Shirt einer großen Metal-Band trug. Komische große, blonde Frau, wird er sich wohl gedacht haben.

Donnerstag, 16. September 2010

Sonne und Salsa auf dem Weg zur Arbeit

Um acht steht die Sonne schon recht hoch und ich muss die Augen ordentlich zusammenkneifen. Athuro, Carlos Cousin und mein Zimmernachbar begleitet mich zum Busstop und gibt mir letzte Anweisungen. Ich steige in den Bus, der ist bereits voll, aber ich passe noch rein. Aus dem Radio tönt laut Salsa! Prima, Sonne und Salsa, so beginnt ein guter Tag!
An der Avenida Javier Prado steige ich aus. Der Grünstreifen in der Mitte der Fahrbahn wird gerade gemäht, im Lärm der Elektrosensen geht der Verkehrslärm nahezu unter.
Der nächste volle Salsa-Bus fährt vor und ich gehe an Bord. Bald stecken wir in Lima's Rush Hour fest und ich beschließe, das letzte Stück zu Fuß zu gehen.
Ich laufe etwas verwirrt umher, weil ich das Büro nicht finde, eine ältere Dame verweist mich an ihre Enkelkinder, die deutsch sprechen und mir weiterhelfen können - toll! Pünktlich um neun bin ich im Büro - gut, dass ich dank Jet-Lag sehr früh aufgewacht und rechtzeitig losgegangen bin!
Etwa 9h später, ist mein erster Arbeitstag zu Ende und ich mache mich wieder auf den Heimweg. Es wird langsam dunkel und ehrlich gesagt bin ich etwas aufgeregt. Sicheren Schrittes erreiche ich die Haltestelle und steige in einen Bus, der mich Richtung nach Hause bringt. Als ich aussteige, stelle ich jedoch fest, dass ich nicht an der Kreuzung bin, an der ich hätte sein wollen, um den zweiten Bus zu nehmen... Mein Versuch mich zu orientieren ist nur von mäßigem Erfolg gekrönt, aber ein sehr hilfsbereiter Peruaner, der gerade auf seine Tochter wartet, bietet mir an mich ein Stück zu begleiten. Zu dritt ziehen wir los, so habe ich auch gleich noch nette Unterhaltung. Vier Querstraßen weiter kenne ich mich auch schon wieder aus, nur noch ein Katzensprung nach hause. So gehe ich zu Fuß, sämtliche um Aufmerksamkeit heischend hupende Taxi-Fahrer ignorierend. Ich bin fast zu hause, nur noch ein kurzer Abstecher zum Malecon. Kurz auf der Parkbank sitzen und dem Meeresrauschen zuhören. Sehen kann ich es leider nicht, es ist halb acht und stockdunkel.