Samstag, 30. Oktober 2010

Sie liebt Dich, sie liebt Dich nicht...

"Time flies by, when you have fun," und "wenn wir nichts von Dir hören, wird schon alles gut sein!" sind wohl die beiden Sprüche, die auf mich derzeit (und eigentlich fast immer) am besten zutreffen!

Nach 6 Wochen bin ich voll und ganz in Lima aufgegangen und einfach busy! Wie immer ;-)

Ich finde, es ist Zeit, mich mal wieder ein wenig mitzuteilen und und Euch (m)einen Eindruck von Lima zu geben an dieser Stelle mit einer Auflistung der Dinge, die ich an Lima mag und derer, die ich an Lima nicht so gerne mag...

- Ich mag es, morgens um 5.30 mit meinem Mitbewohner aufzustehen, zum Strand zu fahren und surfen zu gehen.

- Ich mag es, den Pelikanen zuzusehen, wie sie auf der Suche nach ihrem Frühstück über das Meer gleiten.

- Ich mag es, mich nach dem surfen mit einem 5-Liter-Wasserkanister am Strand zu duschen.

- Ich mag es nicht so gerne, dass man sich nicht eben schnell nackig ausziehen und dann wieder anziehen kann (macht man hier einfach nicht - gelobt sei der freizügige FKK-Osten!), sondern ich irgendwie versuchen muss, mich auf dem Beifahrersitz aus meinem Bikini in meinen Anzug zu zwängen.

- Ich mag es, (wenn ich nicht ohnehin zum surfen fahre) vor dem Arbeitsweg durch den Park hinterm Haus (siehe Bild: Blick auf den Park, unterhalb der Steilküste, im Dunst, kann man das Meer erahnen) zu schlendern, dort aufs Meer zu gucken und die frische Brise zu atmen.

- Ich mag es nicht so gerne, wenn die Kassierer in den Mikros mir 1 Sol berechnen, obwohl alle (sie, ich und die anderen Passagiere) wissen, dass es für die kurze Strecke nur 50 centavos sind.

- Ich mag es nicht so gerne, abends in der Rush-Hour 1h zu brauchen, um nach hause zu fahren, wissend, dass man die Strecke ohne Verkehr in 15 Minuten schafft.

- Ich mag es, abends nach Hause zu kommen, mit meinen Mitbewohnern zu essen, zu schnacken, Filme zu gucken.

- Ich mag es nicht so gerne, wenn die Mama (ich wohne mit meinem Kumpel Carlos, seinem Bruder Javier, dem Cousin Arturo und seinen Eltern Margaretha und Carlos in einem Haus) mir sagt, was ich essen und nicht essen soll (immerhin entscheide ich das schon seit mindestens 10 Jahren selbst!)

- Ich mag es, in der Mittagspause (wenn denn mal die Sonne scheint) im Oliven-Park zu sitzen und frische Luft und Ruhe zu genießen.

- Ich mag es nicht so gerne, Rußpartikel und sonstigen Smog einzuatmen, wenn ich zu Fuß durch die Stadt gehe.

- Ich mag es nicht so gerne, dass Taxifahrer versuchen mir den 2-3fachen Fahrpreis zu berechnen.

- Ich mag es, eben diese Taxifahrer auszulachen und wegzuschicken.

- Ich mag es nicht so gerne, dass, die Taxifahrer, wenn ich gerade mal kein Taxi brauche (das ist recht häufig) mich ständig anhupen und mir, wenn ich dann mal eins brauche sagen: och nee, da will ich nicht hinfahren (arbeitest Du oder fährst Du spazieren?).

- to be continued...

Freitag, 1. Oktober 2010

Sonntag ist Bürgermeisterwahl!

Um 0:00 Uhr hat die "ley seca" begonnen. Die Trockenphase vor den Wahlen. Alle Peruaner MÜSSEN wählen gehen, bei Mißachtung des Wahlgebots droht eine Geldstrafe von etwa 30 EUR. Die "ley seca" soll dafür sorgen, dass die Bürger nüchtern in den Wahllokalen erscheinen. Seit Freitagmitternacht dürfen keine alkoholhaltigen Getränke mehr ausgeschenkt werden, Diskotheken wurden geschlossen und Freitag- und Samstagnacht machen sie erst garnicht auf.

Auch wenn nicht alkoholisiert, ist der peruanische Wähler scheinbar eher unberechenbar. Als Alan Garcia beispielsweise 1985 das erste Mal zum Präsidenten gewählt wurde, unter anderem deshalb, weil er "chulo" (span.: schick, flott, hübsch) ist - oder war... Heute wiegt er einige Kilo mehr und jünger ist er auch nicht geworden dennoch wurde er 2006 erneut gewählt... Aber um die Präsidentschaftswahlen geht es gerade nicht, die stehen erst nächstes Jahr an - also zurück zum Thema:

Letzte Woche habe ich 6 der Bürgermeisterkandidaten für Lima live erlebt! Auf einem Forum zum Thema Wasser- und Sanitärversorgung hatten sie jeweils 15 Minuten Redezeit. Da ich den Ausschwefungen nicht komplett folgen konnte, beschränkte ich mich darauf augenscheinliche Aspekte zu bewerten:

1) Ein Populist, der sich unter dem Deckmäntelchen des wissenschaftlichen Umweltschützer und NGO-Gründers versteckte wirkte wie ein evanglikaler Prediger. Die Stimme ebenso erhoben, wie den Zeigefinger.

2) Nummer Zwei erinnerte eher an Stoiber, eher graue Maus, etwas langsamer in der Ausführung und leiser in der Sprache, dafür auch eher einschläfernd mit vielen Ähms und Alsos.

Dann helle Aufruhr, die Spitzenkandidatinnen erscheinen, die Pressevertreter bieten sich erbitterte Kämpfe um die erste Reihe.

3) Susana Villarán spricht ruhig, dennoch wohl intoniert, wirkt konsquent und kompetent. Ich verstehe sogar etwas. Statt wie ihre Vorredner noch schnell die letzte Minute zu füllen, gibt sie einen abschließenden Satz und zieht sich unaufgefordert vom Mirkofon zurück.

4) Der nächste Kandidat wetterte darüber, dass allein die Spitzenkandidatinnen Zugang zzu Sendezeiten haben und sah darin einen Angriff auf die Demokratie. Recht, oder Unrecht? Egal wie: am Thema vorbei - sechs, setzen!

5) Dann Lourdes Flores, ähnlich gefasst und selbstbewusst, wie Villarán, mir schien sie jedoch weniger sympatisch und souverän.

6) Abschließend einer, der sagte, er habe nichts mehr zu sagen, es sei schon alles gesagt und dann trotzdem die 15 Minuten überzog. Ein wahrer Politiker!

Das also sind die aussichtsreichsten Kandidaten, fast alle mit neuen Parteien. Unter anderem wohl, weil die Parteien nicht etabliert, sonder häufig unbekannt sind, aber auch um denen, die nicht lesen können, die Auswahl zu erleichtern, wird es auf den Wahlkarten Motive neben den Kandidatennamen geben. Vielleicht ist genau das am Ende entscheidend, weil mehr Leute die Flores Landkarte wiedererkennen, als Villaráns limettengrünes FS. Vielleicht finden sie aber auch einfach den Kochtopf "chulo".