Samstag, 6. November 2010

Wenn ich Durchfall habe, scheiße ich auf Anti-Imperialismus und Ökobilanz

Am liebsten esse ich an Straßenständen, weil das Essen dort günstig, traditionell, frisch zubereitet und meistens extrem lecker ist.

In den schickeren Stadtvierteln ist Straßenessen eher rar, weil schicke Leute lieber in Restaurants viel Geld für (häufig schlechteres) Essen ausgeben. Aber in Magdalena (meine 'hood), gibt es von süß bis salzig viele leckere Essensangebote an den Straßenecken. (Bild1. Straßenküche in Chincha)

Bisher ist mir vom Straßenessen auch nur einmal richtig übel geworden, das war in Sao Paulo, auf einer Samba, am Abend vor meiner Heimreise. Selten habe ich auf einem Flug so viel Zeit auf der Toilette verbracht... Obwohl ich in Guatemala fast täglich auf der Straße gegessen habe, habe ich mir nur einmal den Magen verdorben und das war ausgerechnet in einem mexikanischen Restaurant. Auf die 6 Stunden Busfahrt am nächsten Tag hätte ich (bleich wie eine Wand) gerne verzichtet. Dankenswerter Weise hat der Bus für mich angehalten und ich habe mich am Straßenrand übergeben und nicht im Bus - zum Vorteil für alle Mitreisenden.

Das Ereignis erinnert mich daran, wie ich mich einmal im Erdkundeunterricht im Klassenzimmer übergeben habe, der Unterricht bei Herrn Meidinger war eben einfach zum Kotzen! (Damals war mir das extrem peinlich!)

Letzte Woche hat mich das erste mal seit meiner Ankunft Montezumas Rache heimgeholt, ich denke, es war der Marakujasaft, den die Caperuza (Rotkäppchen), eine Frau die täglich um 11Uhr im Büro vorbeikommt um Sandwiches, Kuchen und selbstgemachten Saft aus ihrem Korb zu verkaufen, mitgebracht hatte. (Womöglich war das Leitungswasser nicht ausreichend abgekocht gewesen...).

Zum Glück gibt es an der Straßenecke vorm Büro ein Kiosk, in dem Lorenz Salzstangen - Direktimport aus Deutschland - und Coca-Cola verkauft werden. Zusammen DAS Heilmittel gegen verstimmten Magen und Durchfall! Da mache ich dann mal eine Ausnahme...

Als es mir wieder besser ging, hatte meine Kollegin hatte dann noch folgenden Rat für mich: entweder keinen Marakujasaft mehr trinken, oder solange Marakujasaft trinken, bis mein Magen sich dran gewöhnt hat... ich werde darüber nachdenken, das kann man ja bekanntlich auf der Toilette besonders gut. (Bild2. Brad&ich, Pisco)

Mittwoch, 3. November 2010

Wir haben eine neue Bürgermeisterin

Lima hat gewählt und ab Januar wird eine Frau über die Geschicke der Hauptstadt entscheiden.

Dass eine Frau Bürgermeister werden würde, war eigentlich schon vor der Wahl relativ klar, nur die Frage, welche der beiden, Lourdes Flores oder Susanna Villaran (von beiden hatte ich ja bereits berichtet) blieb offen.

Am Wahlabend verkündete Susanna Villaran bereits ihren Sieg, es sollte jedoch fast einen Monat dauern, bis dieser bestätigt wurde. Tausende Wahlakten waren nicht sachgemäß ausgefüllt, hier fehlte eine Unterschrift auf der 13. Kopie, dort war ein Kreuz nicht ganz exakt positioniert... Die letzten Wochen wurden diese Akten von einer Fachkommission untersucht, das Kopf-an-Kopf-Rennen war Hauptthema in den Tageszeitungen, Verschwörungstheorien wurden skandiert, das Ergebnis ließ auf sich warten. Anfang vorletzter Woche war der Vorsprung von Villaran plötzlich von 40.000 auf 8.000 zusammengeschmolze - Wahlbetrug wurde gemutmaßt.

Um so überraschender war es, dass der Sieg von Villaran letzte Woche ohne großes Aufsehen verkündet wurde. 38,383% zu 37,577%, ein wahrlich knappes Ergebnis.

Nun richtet sich die Aufmerksamkeit auf die Wahlen um das Präsidentenamt im März.