Wer mich kennt, weiß, dass mein Musikgeschmack nicht besonders ausgefeilt ist. Auf die Standardfrage: „Was magst Du denn so für Musik?“ Gibt es von mir schon seit vielen Jahren die Standardantwort: „Alles außer Techno und Volksmusik.“ (Unter Techno subsummiere ich da großzügig alles, was mit starkem Mnzh-mnzh unterlegt ist.) Wer weiter nachhakt, erfährt, dass ich am liebsten Rock höre, wenn es allerdings ums Tanzen geht Salsa bevorzuge. Wem das immer noch nicht reicht…: „Mein Lieblingsmusiker heißt Ben Harper, Leonhard Cohen höre ich auch unheimlich gerne und früher war ich Bon-Jovi-Fan, wenn ich mir die Lieder heute anhöre, weiß ich selbst nicht mehr so genau warum eigentlich.“ Nur in ausgewählten Fällen erzähle ich, dass ich mangels anderer Optionen (Metallica war bereits vom großen Bruder und Bryan Adams von der großen Schwester besetzt) kurzzeitig den Take-That-Fan gemimt habe (Poster im Zimmer aufgehängt, Namen auswendig gelernt…), kaum eine Woche später durfte ich dann doch Metallica und Bryan Adams hören! Sobald es allerdings um musikalische Feinheiten und Nischen geht, muss ich meistens mangels besonderer Kenntnisse leider aus der Unterhaltung aussteigen.
Nach einer anstrengenden Arbeitswoche haben mich meine Mitbewohner heute mit Pisco Sour hinter dem sprichwörtlichen Ofen hervorgelockt. Nach zwei gut gefüllten Gläsern folgte ich den beiden in die Disko. Statt Salsa wurde jedoch leider Techno gespielt…
Weil ich weder tanzen noch trinken wollte, ging ich also einer allgemein verbreiteten Lieblingsbeschäftigung nach: Leute beobachten! Davon gab’s genug. Viele auf der Tanzfläche, einige an der Bar stehen, andere hin- und herlaufend, wie in jeder anderen Disko auch. Ein Kellner ist mir besonders aufgefallen. Er trug ein schwarzes „Led Zeppelin“ T-Shirt und sofort fragte ich mich, ob er ebenso unter der Musik litt wie ich und das womöglich jedes Wochenende, immer wieder? Oder, dachte ich, ist er gar kein „Led Zeppelin“ Fan und trägt das Shirt nur, weil es cool ist, so ähnlich wie man eben „Che Guevara“-Shirts trägt, weil El Che doch cool ist und so ein markant-schönes Gesicht hat, das sich auf T-Shirts einfach gut macht (Led Zeppelin und Che Guevara als commodities…). Statt ihn zu fragen, gingen meine Gedanken auf Reisen, zurück nach Guatemala. Plötzlich hatte ich ihn wieder vor Augen, den kleinen Jungen, vielleicht 7 Jahre alt, in einem kleinen Dorf im guatemaltekischen Hochland. Ich war gerade in seiner Schule, um eine Bestandsaufnahme der sanitären Einrichtungen zu machen, als mir sein „Iron Maiden“-Shirt auffiel. Luftgitarre spielend und headbangend stand ich vor ihm „dännng-dännng-däng-däng-dääääng“. Und große, beinahe erschreckte Augen blickten mich an, während Caro von Lachkrämpfen geschüttelt zuschaute. Mangels Storm und CD-Player hatte der Junge wohl noch nie „Iron Maiden“ gehört und wusste wahrscheinlich nicht einmal, dass er das Shirt einer großen Metal-Band trug. Komische große, blonde Frau, wird er sich wohl gedacht haben.
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